Maximilian Forster                  Das Zillerthal

1809 - ?

Rings blühen hier der Schöpfung Meisterpalmen

Auf breiten Ebnen, wie auf hohen Triften.

Der reinste Aether schwimmt in diesen Lüften,

Wenn noch am Inn die Nebelwolken qualmen.

 

Es strotzt der Segen auf in goldnen Halmen.

Die Wiesen schwelgen süß in Blumendüften.

Die Ströme tosen zwischen Felsenklüften

Von jenen Bergen her, besä’t mit Almen.

 

Und die Bewohner, diese frohen Seelen,

Wer hörte nicht mit jedem Wanderschritte

Den Jubelruf aus ihren kräft’gen Kehlen?

 

O dürfte hier in der beglückten Mitte

Ich mit Adelen, wie Mathisson, wählen

Den kleinen Umkreis einer niedern Hütte!

 

 

 

Maximilian Forster                  Minnesonette

1809 - ?

 

1. Ihr Name

 

Ist mir’ doch, als ob der Rose Samen

Sich umher in Hertha’s Reich verstreute;

Denn in ihrem prangenden Geleite

Find’ ich immer doch nur Einen Namen.

 

Aus dem Grund in jenes Teiches Rahmen,

In der Blätter lichtgekehrter Seite,

Von den Wolken in der blauen Weite,

Durch Zephyre, wie durch Wetterflammen,

 

Kehrt von dieses Namens schönen Zügen

Echo mir und Bild in meine Sinne

Und der Genius in diesem Liede.

 

Es enthüllt ihr Aneinanderschmiegen

Mir das Zauberwort der ersten Minne,

Aeolsharfenlaut: „Adelaide!“

 

 

2. Adele

 

Sieh’ die Blume sich der Knosp’ entrücken,

Mit dem Blüthengolde sich besäumen,

Und entfaltet in besonnten Räumen

Nach dem Hauch der lauen Weste nicken!

 

Schöner als sich Blüthenknospen schmücken,

Sah ich jüngst Adelens Reiz entkeimen,

Und in meiner Liebe süßen Träumen

Sie erwiedernd mir entgegenblicken.

 

Es entfiel vom Antlitz mir der Schleier.

Was die Träume dunkel nur verhießen,

Sah ich werdend ihrem Blick entsprießen.

 

Und dem schönsten Sang’ erklingt die Leier:

Wollt’ ich mehr als Liebe noch genießen,

Müßte wohl der Himmel überfließen!

 

 

3. Schiffers Glück

 

Wohl ein unentdecktes Ufer malte,

Schiffers Ahnung sich am Himmelssaume.

Doch es stand das Schiff im Meeresschaume,

Wo kein fernes Land in’s Auge strahlte.

 

Auch kein Lüftchen wacht’ im blauen Raume.

Nur der Takt der Ruderschläge hallte,

Und der Segel lange Fläche wallte

Schlaff herunter am gewalt’gen Baume.

 

Sieh’, da dehnten, wie vor Geisterhauchen,

Schnell und plötzlich sich die blanken Linnen.

Hoch empor sah man ein Ufer tauchen,

 

Und ein Ufer einen Demant blitzen.

Es gelang, die Landung zu gewinnen

Und den Demant selber zu besitzen.

 

 

4. Morgenszene in St.

 

Heller ward’s. Am Silberhimmelsbogen

Nahte Phöbus schon mit goldnem Zügel,

Als ich einsam an dem Inselhügel

Durch des Schlosses Garten kam gezogen.

 

Junge Lerchen schwangen ihre Flügel;

Taucher schlüpften durch des Schilfes Wogen;

Möwenpaare, die vorüberflogen,

Netzten sich im blauen Wasserspiegel.

 

An dem Schloß, umhaucht von Schlummerstille,

Stand ich still vor eines Fensters Bogen,

Von der Reben dunklem Grün umzogen.

 

Wie es flötet in des Laubes Hülle!

Welch ein Purpur in der Scheiben Glätte!

Ist das nicht Adelens Schlummerstätte?

 

 

5. Verlust

 

Der mit Zauberfäden mich umwunden,

Als ich schlummernd lag, in ihm verloren,

Und die Treue einem Bild geschworen,

Das ich, Glücklicher, so schön gefunden:

 

Süßer Traum beglückter Wonnestunden,

Deine Farben breitend mit Auroren,

Und liebkosend wie des Lenzes Horen,

Ach! warum bist du so schnell entschwunden!

 

Daß ich nie dein Traumgebild erkannte!

Ich umfing es jubelnd als mein eigen,

Einst mit ihm mein Leben hold zu zieren.

 

Mußtest du, was ich nur schlummernd ahnte,

Lebend meiner trunknen Seele zeigen,

Um es doppelt schmerzlich zu verlieren?